Samstag, 27. November 2010

Mead, mead, I want mead!

I´m feeling kinda tipsy now. Drank too much mead which puts me in a snugly and cuddly kind of mood. And makes me wanna speak and write English and I have no clue what that says about my subconscious, don´t wanna know that either, thank you very much.

Oh my, I SO need someone to snuggle up with right now! And I think I need to drink mead more often. I always forget how much I love that stuff.

Samstag, 6. November 2010

Life Is What You Make It

~ Baby, Life is what you make it... ~

 

Ich summe leise mit und schließe die Augen, während ich einen Fuß vor den anderen setze.

Es ist sowieso dunkel, da macht es keinen Unterschied, ob ich nun meine Augen offen habe oder nicht. Außerdem ist es ein ganz anderes Erlebnis, blind durch die Nacht zu gehen. Ich habe keine Angst, schließlich existiert in meiner Welt aus warmer Dunkelheit nur Musik und eine seltsame Ruhe, die mich sicher fühlen lässt. Niemand kann mich sehen, ich sehe niemanden. Niemand stört mich, ich störe niemanden. Hier gibt es keine Menschen, sondern nur meine geistige Existenz. Ich schwebe unter einer Schutzkuppel, die von meinen eigenen Gedanken gebildet wird. Nichts kann mir geschehen. Niemand kann mich berühren. Ich bin sicher, ich bin frei.

 

Aber leider bin ich auch leicht angetrunken und auf High Heels unterwegs, was meiner kleinen Abschweifung ins Traumland ein jähes Ende setzt, da ich schon im nüchternen Zustand kaum in diesen verfluchten Schuhen laufen kann. Dazu kommt noch das altehrwürdige Kopfsteinpflaster, das doch nun endlich mal durch eine nett asphaltierte neue Straße ersetzt werden könnte. Ich brech mir hier noch die Beine.

 

Nun ja, das hat man wohl davon, wenn man beschließt, nach so nem bescheuerten Ball noch ein bisschen spazieren gehen zu wollen.

Ich hasse diese Gesellschafts- und Tanzveranstaltungen wirklich. Die Leute fühlen sich alle so verdammt schön in ihren Kleidchen und Anzügen, als ob sie damit darüber hinweg täuschen könnten, wie hässlich sie eigentlich sind. Die Musik ist furchtbar. Der Alkohol ist zu teuer. Was vernünftiges zu essen bekommt man da auch nicht. Zum Rauchen muss man sich vor die Tür stellen. Und der Heimweg ist wie immer eine Tortur, weil ich aus irgendeinem Grund immer darauf verzichte, mir ein Taxi zu nehmen.

Eigentlich fahre ich ja gern einfach selbst mit dem Auto bei solchen Veranstaltungen. Aber irgendwie habe ich es heute nicht ohne Alkohol überstanden, deswegen hat mir meine Schwester verboten, das Auto zu nehmen. Ha, meine Schwester. Familie. Da haben wir ja wieder mal den Anlass für das heutige Trauerspiel.

 

Mein kleiner Bruder hat es endlich einmal geschafft, sich von seiner Freundin zu einem Tanzkurs überreden zu lassen. Und das (nicht wirklich sehenswerte) Ergebnis gab es dann heute zu bestaunen. Und weil ich ja so lange nicht mehr am Familienleben teilgenommen habe, wurde ich einfach mitgeschliffen, um dieses monumentale Ereignis nicht zu verpassen. Natürlich galt auch für mich die zwingende Kleiderordnung, obwohl ich doch nur reiner Zuschauer bei diesem Karneval der Tiere bin. Alle waren da, von meckernden Ziegen über niedliche dicke Biene Majas bis hin zu einem älteren Herren, der unglaubliche Ähnlichkeit mit einem Nilpferd aufwies. Ich fühle mich wie ein Zoobesucher, also warum muss ich mich dafür in dieses enge schwarze Kleid und diese hochhackigen Schuhe des Teufels zwängen?

 

Aber all das Schimpfen und Beschweren bringt mir letztendlich auch nichts, wie mir auch die Musik aus meinen Kopfhörern bestätigt. Ich hätte mich ja mit aller Macht widersetzen können, sie hätten mich schon nicht wortwörtlich in den Festsaal getragen. Und irgendwie sind sie ja schon niedlich, mein Bruder Ben und seine Liebste. Auch wenn sie gerade mal 17 sind. So jung und unschuldig... aber nein, der Schein trügt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Bruder alles andere als unschuldig ist. Und auch seine Freundin sieht mitunter ziemlich schlampig aus, obwohl sie eigentlich recht nett ist. Aber vielleicht ist das einfach das erstrebenswerte Image heutzutage, was weiß ich.

 

Leider hat man auch auf diesem furchtbaren Ball gemerkt, dass es eben doch nicht so ganz meine Alltagsklasse ist. Deswegen habe ich auf die recht plumpen Annäherungsversuche einiger Jungs und sogar eines wohl besonders „experimentierfreudigen“ Mädchens recht unterkühlt reagiert. Aber mal ehrlich, was will ich denn mit halberwachsenen Jugendlichen, die wahrscheinlich auch nur an die verhasste Schule und die Partys dazwischen denken? Nicht, dass ich es ihnen verübeln würde, ich bin selbst nicht allzu gern zur Schule gegangen. Aber immerhin hab ich mein Abitur gut hinter mich gebracht und zu studieren angefangen. Wenn ich mir einige von Bens Freunden ansehe, scheinen die nur aus Langeweile zur Schule zu gehen. Da hat es keiner eilig, den Abschluss so schnell wie möglich zu schaffen. Ob man nun ein, zwei oder drei Jahre länger auf sein Abi wartet, ist anscheinend nicht so wichtig.

 

Nun, eigentlich interessiert mich das alles nicht wirklich. Aber es sind nette Gedanken, um mich davon abzulenken, dass mein rechter Knöchel mittlerweile ziemlich weh tut und mein Heimweg wahrscheinlich doch noch gefährlicher wird, als ich angenommen habe.

Kurzerhand schlüpfe ich aus meinen schwarzen High Heels, stopfe sie in meine Tasche und gehe vorsichtig auf bloßen Füßen weiter. Im Stillen verfluche ich den Idioten, der das Kopfsteinpflaster erfunden hat, und die volltrunkenen Assis, die ihre Flaschen auf der Straße zerschmeißen müssen. Wie soll man denn da bitte unfallfrei nach Hause finden?!

 

Letztendlich lande ich auf der Bank eines nahe gelegenen Parks und zünde mir erst einmal eine Zigarette an. Die Pause habe ich mir nach so viel Stress eindeutig verdient.

Ich lege mich hin, sodass ich freien Blick auf den klaren Nachthimmel habe. Scheiß auf das gute Kleid, ich kann mir sicherlich ein neues kaufen. Wenn nicht, muss ich wohl beim nächsten Ball zu Hause bleiben, schade aber auch.

Ich nehme einen weiteren Zug von meiner Zigarette und sehe den Rauchschwaden nach, wie sie die Nacht mit ihrem grauen Schleier kurzzeitig verhüllen. Dann mach ich mich daran, die wenigen Sternbilder, die ich kenne, zu suchen. Als Kind habe ich mich mal sehr für Astronomie begeistert, aber mittlerweile erkenne ich nur noch die Standardsachen, Orion und Kassiopeia und so weiter.

 

Schade eigentlich, dass solche kindlichen Faszinationen sich nach und nach auflösen. Ich habe mich früher für so viele Sachen interessiert. Von der obligatorischen Pferdeliebe über Chemiebaukästen bis hin zu Musik. Und obwohl ich damals fest davon überzeugt war, dass ich mich für immer für solche Sachen begeistern würde, liege ich nun Jahre später auf einer Parkbank und starre Orion zornerfüllt an, als ob der nächtliche Jäger Schuld an all den großen und kleinen Verlusten meines Lebens sei.

Aber es ist nun einmal einfacher, die Schuld auf andere abzuwälzen. Ganz ehrlich, es ist wahrscheinlich auch ganz gut so. Wenn ich mir all meiner Fehler und Sünden stets bewusst wäre, hätte ich mich doch vor Schmach schon längst umgebracht. Das kann ja keiner aushalten. Man muss einfach eine gesunde Balance zwischen Selbstkritik und Egoismus aufbauen. Und hin und wieder Eimer mit philosophischer Gedankenbrühe auskippen, sonst verstopft dieser ganze Mist noch irgendwelche wichtigen Sachen im Kopf.

Das Problem ist nur, dass es gar nicht so einfach ist den ganzen Gedankenmüll zu entsorgen, vor allem wenn man allein lebt. Nach einem Jahr in einer WG war ich vollkommen davon überzeugt, dass so etwas einfach nichts für mich ist. Und es stimmt schon, in meiner kleinen, hübschen Einraumwohnung geht es mir wesentlich besser. Ich bin nicht mehr ständig so genervt und unruhig. Aber ich habe eben auch niemanden zum Reden. „Reden wird überbewertet“, hat man mir mal gesagt. Und vielleicht stimmt das auch. Ich zumindest gebe mich nicht dem Irrglauben hin, dass man durch Worte sämtliche Probleme aus der Welt schaffen und universellen Frieden erreichen kann. Doch auch wenn es vielleicht wieder nur Zeichen meiner Schwäche ist, so fällt es mir doch schwer, mit niemanden über diesen ganzen Kram zu reden.

Aber so ist das nun mal. Letztendlich kommen mir solche Erkenntnisse nur, wenn ich nachts einsam auf einer Bank liege und in die Weiten des unergründlichen, kalten Weltalls blicke. Wenn ich dann aber wirklich einmal Menschen um mich herum habe, mit denen ich mich mitunter sogar recht gut verstehe, dann wirken auf einmal alle Gedanken an tiefgründige Gespräche so deplatziert, dass ich mich automatisch wieder nach meiner Einsamkeit sehne. Heute Abend zum Beispiel hätte ich ja mit meiner großen Schwester reden können. Wir mögen uns, auch wenn wir sehr unterschiedlich sind. Aber auf einmal gab es einfach nichts zu sagen. An solchen Beispielen wird mir immer wieder bewusst, dass mein eigentliches Problem nicht die anderen Menschen, sondern ich selbst bin. Die logische Schlussfolgerung wäre wohl mich zu ändern. Aber ich mag keine Veränderungen, selbst wenn sie positiv und notwendig sein mögen. Ich mag sie eben einfach nicht.

 

Letztendlich sind wir doch alle allein, an irgendeinem Punkt in unserem Leben. Jeder ist einsam. Man kann auch zu zweit einsam sein, verdammt, manchmal es ist sogar am einfachsten, in einer Masse von Menschen einsam zu sein. Die Kunst besteht darin, die Einsamkeit zu begrüßen und mit ihr umgehen zu können. Ich muss mich nur selbst immer wieder daran erinnern, dass Einsamkeit eben auch abhängig machen kann. 

 

~ For some people solitude and isolation can of itself become a problem. Not for me ~

 

Ich muss grinsen. Irgendwie schafft es mein MP3-Player, immer die passenden Lieder mit den passenden Texten auszuspucken. Vielleicht begründet sich darin mein Vertrauen in moderne Technik.

 

Aber auch das schönste Sinnieren und einsame Grübeln muss irgendwann ein ganz banales Ende haben. Heute ist es die Kälte, die meine nylonbedeckten Beine empor klimmt und schließlich meinen gesamten Körper zum Zittern bringt. Nun gut, vielleicht ist so ein dünnes schwarzes Kleid mit einem kaum erwähnenswerten Bolerojäckchen auch nicht die ideale Bekleidung für diese nächtliche Einsamkeitsstudie.

Ich zieh mir also wieder die verhassten High Heels an und mache mich daran, möglichst unfallfrei den Weg nach Hause zu finden. Mittlerweile bin ich wieder vollends in der leider wirklich kalten Realität und kann es gar nicht mehr erwarten, endlich in meine warme, gemütliche Wohnung zu kommen.

 

Aber trotz der Kälteattacken hat mir der Abend nun doch etwas gebracht. Ich habe mal wieder erkannt, dass ich viel zu verkopft bin und warum ich dann doch jedes Mal wieder heim laufe, anstatt das wesentlich bequemere Taxi zu nehmen – schließlich gibt es keine bessere Möglichkeit sich nach diesem Menschenauflauf zu normalisieren als eine Einheit misanthropische, melancholische Einsamkeit mit einem Hauch Nostalgie. Und wenn man all diese Stimmungsschwankungen hinter sich hat, dann fühlt man sich wieder gut und gesellschaftsfähig.

 

Und genau deswegen mach ich mir zu Hause eine Flasche Chardonnay auf und zappe mich durch das Freitagnachtfernsehprogramm. Nachdem ich mich kurzzeitig darüber aufrege, dass die Pornos echt so abgefuckt schlecht sind, dass sie keine Zuschauer haben sollten, da man sich doch jederzeit im Internet viel abgefahrenere und bessere Filme besorgen kann, bleibe ich schließlich an einer alten Star Trek Folge hängen. Und so kuschel ich mich an meine Weinflasche und verbringe eine zweisame Nacht mit ihr, während auf dem Bildschirm die flauschigen nervtötenden Tribbles für allerlei Aufregung sorgen.

 

Ein ganz normaler Freitagabend. Nur dass die Tribbles mir ein wenig mehr Flauschigkeit als üblich verschaffen. Ich sollte mir definitiv mal einen Hamster kaufen und ihn Tribble nennen. Vielleicht komme ich ja mit Tribble besser zurecht als mit all den anderen Mitbewohnern, die ich davor hatte. Schließlich können Hamster nicht reden, sie bleiben stets in ihrem Käfig und sie können sich auch nicht umbringen.

Ja, Tribble und ich, das wird wahre Liebe werden! Da bin ich mir ganz sicher!

 

Und so schlafe ich in Gedanken an meinen zukünftigen haarigen Lebensgefährten ein und verdränge ganz, dass ich bei meinem Glück bestimmt auf das Viech allergisch bin.

                       

Mittwoch, 3. November 2010

 

Ich renne so schnell ich kann, einen Fuß vor den anderen, nur nicht stolpern, nur nicht stürzen... und während ich mir hektisch den Weg durch die Menge bahne, verfluche ich all diese Zigaretten, ohne die ich anscheinend nicht mehr auskomme. Aber ehrlich mal, warum mussten diese Dinger auch den Körper so beeinträchtigen?! Ich könnte meine vollständige Lungenkapazität und sowieso eine allgemeine Grundfitness jetzt durchaus gebrauchen, vielen Dank!

Aber da ich leider immer nicht die Zeit zurück drehen oder innerhalb von weniger Sekunden wieder sportlich werden kann, bleibt mir nichts anderes übrig, als weiter zu rennen, zu keuchen, das Seitenstechen zu ignorieren und mein Leben mitsamt dieser speziellen Situation aufs gröbste zu verfluchen.

Nun ja, wenigstens lenkt mich das von dieser seltsamen Frau und meinem noch viel seltsameren Verhalten hab.

Zumindest hoffte ich das...

...aber wie das mit der Hoffnung nun einmal so ist, wird sie nur in den seltensten Fällen wirklich erhört. Und so kommt meine überstürzte Flucht - denn so sehr ich weg laufen auch hasse, nichts anderes ist es - zu einem abrupten Ende, als sich erstaunlich starke Finger in meine Schulter krallen und mit Schwung zurück reißen.

Ich werde durch diese Bewegung dermaßen aus dem Gleichgewicht gebracht, dass ich unwillkürlich stolpere und unsanft zu Boden stürze. Völlig außer Atem sitze ich also da, höre mein eigenes Herz rasen, das Blut rauscht in meinen Ohren - und der Grund für mein Unwohlbefinden steht neben mir und sieht mit undefinierbarem Gesichtsausdruck auf mich herab. Ich starre ebenso blank zurück.

Schließlich seufzt sie ungehalten und streckt mir eine ihrer hübschen Hände entgegen. Sie hat lange, schmale Finger, die perfekt dafür geeignet wäre, Klavier zu spielen. Oder Cembalo, den Klang eines Cembalos finde ich sogar noch schöner. Oder vielleicht spielt sie auch Violine... Aber all dieses Nachsinnen über mögliche klassische Instrumente, die sie beherrschen könnte, bringt mir gar nichts. Deswegen nehme ich einfach ihre Hand und lasse mir von ihr aufhelfen.

Ich habe keine Ahnung, was heute mit mir los ist, geschweige denn wie es jetzt weiter gehen soll. Also beschließe ich, mich einfach von der Sirenen Lady führen zu lassen, weil sie ja auch die jenige war, die mir hinterher gejagt ist. Da kann sie auch ruhig die Kontrolle über diese Situation übernehmen, ich bin momentan sowieso absolut überfordert.

Sie scheint das auch so zu sehen, denn ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen zieht sie mich hinter sich her. Sie findet graziös einen Weg durch all diese Menschen, nur ich stoße ab und zu gegen ein paar fremde Körper und murmele halbe Entschuldigungen. Ja, so verwirrt bin ich, dass ich mich sogar entschuldige...

Wir verlassen die Metro. Ich kenne mich hier nicht besonders aus, da in den großen Städten sowieso alle Straßen gleich aussehen. Also vertraue ich auch weiterhin meiner seltsamen Fremdenführerin, die im Gegensatz zu mir auf echte Ortskenntnisse zurück zu greifen scheint. Nur reden will sie anscheinend immer noch nicht. Soll mir recht sein, denn ich habe keine Ahnung, was ich zu ihr sagen sollte. Na ja, ich könnte mich vielleicht für mein abgedrehtes Verhalten von vorhin entschuldigen. Oder ihr mein Notizbuch zeigen. Oder sie nach ihrem Namen fragen. Oder danach, wie sie ihren Kaffee trinkt. Falls sie nicht doch eher der Tee-Mensch ist, kann man ja nie wissen. Ich zumindest nicht, meine Menschenkenntnis lässt manchmal zu wünschen übrig.