Samstag, 25. Dezember 2010


Ein gewisser Herr Belka wollte gern das Blogger-Profilbild mal in etwas größerem Format sehen. Und weil es Weihnachten ist, mach ich das ausnahmsweise auch mal (bzw. eigentlich finde ich einfach nur grad die Emailadresse nicht).

Zu dem Bild sage ich nur so viel: Ich war jung und verliebt. Da macht man solche Sachen.

Freitag, 24. Dezember 2010

Merry Christmas

Fröhliche Weihnachten euch allen!


Ich weiß, ich weiß, Weihnachten wird überbewertet, Weihnachten ist doof, Weihnachten ist stressig und voll der Kommerz. Das mag alles wahr sein, und viele dieser Gedanken teile ich ja selbst auch, aber letztendlich ist Weihnachten genau das, was wir draus machen. Und wenn ich mich also entscheide, an all die lieben Menschen zu denken, die mir wichtig sind, ihnen Geschenke zu machen und einfach auch mal einen ruhigen Abend mit der Familie zu verbringen, dann kann Weihnachten auch sehr schön sein. Und falls ihr eure Familie nicht mögt, dann gibt es ja immer noch die "zweite Familie", eure Freunde. Deswegen ist Weihnachten für mich einfach eine Gelegenheit, an all die Freunde zu denken und sich daran zu erfreuen, was für tolle Menschen man eigentlich kennt.


Erholt euch gut über die Feiertage!

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Ulver

Ulver sind eine wundervolle Band aus Norwegen, die ich schon seit einiger Zeit kenne und momentan wieder für mich entdecke. Besonders spannend ist, wie unterschiedlich und experimentell die Alben sind. Schon allein die ersten drei Alben lassen sich genre-technisch nur schwer unter einen Hut bringen. Da wäre zunächst Bergtatt, das eher in die Folk Metal Richtung geht, während Kveldssanger ein rein akustisches Neofolk Album ist und man bei Nattens Madrigal wieder rauhen Black Metal zu hören bekommt.

Aber das ist ja gerade das schöne an Ulver, Genrezugehörigkeiten spielen anscheinend keine Rolle. Und so entwickelt sich die Band über Industrial, Ambient, Trip Hop und Electronica Einflüsse hin zu einer ganz eigenen Art der Musik. Das einzige, was man von einem Ulver Album erwarten kann, ist das Unerwartete. Dennoch steht immer eins im Mittelpunkt, die Schönheit und Atmosphärik der Musik. Ob nun im Black Metal oder in elektronischen Klangwelten, Ulver schaffen es stets, den Hörer in eine ganz eigene Welt zu katapultieren. Und das ist es doch, was Musik erreichen sollte.

Ulver im Vergleich:

Nattens Madrigal
http://www.youtube.com/watch?v=57pPK9LIa34

Perdition City
http://www.youtube.com/watch?v=IsohacPK7W0


Außerdem kann ich auch andere Projekte des Sängers Kristoffer Rygg empfehlen. So ist er unter anderem auf Alben oder einzelnen Tracks von Arcturus, Borgnagar, Head Control System und sogar The Gathering zu hören und beweist einmal mehr, dass er von typischen Black Metal Screams über einen kräftigen Bariton bis hin zu beschwörenden Sprechgesängen allerlei Gesangstechniken beherrscht.



Samstag, 27. November 2010

Mead, mead, I want mead!

I´m feeling kinda tipsy now. Drank too much mead which puts me in a snugly and cuddly kind of mood. And makes me wanna speak and write English and I have no clue what that says about my subconscious, don´t wanna know that either, thank you very much.

Oh my, I SO need someone to snuggle up with right now! And I think I need to drink mead more often. I always forget how much I love that stuff.

Samstag, 6. November 2010

Life Is What You Make It

~ Baby, Life is what you make it... ~

 

Ich summe leise mit und schließe die Augen, während ich einen Fuß vor den anderen setze.

Es ist sowieso dunkel, da macht es keinen Unterschied, ob ich nun meine Augen offen habe oder nicht. Außerdem ist es ein ganz anderes Erlebnis, blind durch die Nacht zu gehen. Ich habe keine Angst, schließlich existiert in meiner Welt aus warmer Dunkelheit nur Musik und eine seltsame Ruhe, die mich sicher fühlen lässt. Niemand kann mich sehen, ich sehe niemanden. Niemand stört mich, ich störe niemanden. Hier gibt es keine Menschen, sondern nur meine geistige Existenz. Ich schwebe unter einer Schutzkuppel, die von meinen eigenen Gedanken gebildet wird. Nichts kann mir geschehen. Niemand kann mich berühren. Ich bin sicher, ich bin frei.

 

Aber leider bin ich auch leicht angetrunken und auf High Heels unterwegs, was meiner kleinen Abschweifung ins Traumland ein jähes Ende setzt, da ich schon im nüchternen Zustand kaum in diesen verfluchten Schuhen laufen kann. Dazu kommt noch das altehrwürdige Kopfsteinpflaster, das doch nun endlich mal durch eine nett asphaltierte neue Straße ersetzt werden könnte. Ich brech mir hier noch die Beine.

 

Nun ja, das hat man wohl davon, wenn man beschließt, nach so nem bescheuerten Ball noch ein bisschen spazieren gehen zu wollen.

Ich hasse diese Gesellschafts- und Tanzveranstaltungen wirklich. Die Leute fühlen sich alle so verdammt schön in ihren Kleidchen und Anzügen, als ob sie damit darüber hinweg täuschen könnten, wie hässlich sie eigentlich sind. Die Musik ist furchtbar. Der Alkohol ist zu teuer. Was vernünftiges zu essen bekommt man da auch nicht. Zum Rauchen muss man sich vor die Tür stellen. Und der Heimweg ist wie immer eine Tortur, weil ich aus irgendeinem Grund immer darauf verzichte, mir ein Taxi zu nehmen.

Eigentlich fahre ich ja gern einfach selbst mit dem Auto bei solchen Veranstaltungen. Aber irgendwie habe ich es heute nicht ohne Alkohol überstanden, deswegen hat mir meine Schwester verboten, das Auto zu nehmen. Ha, meine Schwester. Familie. Da haben wir ja wieder mal den Anlass für das heutige Trauerspiel.

 

Mein kleiner Bruder hat es endlich einmal geschafft, sich von seiner Freundin zu einem Tanzkurs überreden zu lassen. Und das (nicht wirklich sehenswerte) Ergebnis gab es dann heute zu bestaunen. Und weil ich ja so lange nicht mehr am Familienleben teilgenommen habe, wurde ich einfach mitgeschliffen, um dieses monumentale Ereignis nicht zu verpassen. Natürlich galt auch für mich die zwingende Kleiderordnung, obwohl ich doch nur reiner Zuschauer bei diesem Karneval der Tiere bin. Alle waren da, von meckernden Ziegen über niedliche dicke Biene Majas bis hin zu einem älteren Herren, der unglaubliche Ähnlichkeit mit einem Nilpferd aufwies. Ich fühle mich wie ein Zoobesucher, also warum muss ich mich dafür in dieses enge schwarze Kleid und diese hochhackigen Schuhe des Teufels zwängen?

 

Aber all das Schimpfen und Beschweren bringt mir letztendlich auch nichts, wie mir auch die Musik aus meinen Kopfhörern bestätigt. Ich hätte mich ja mit aller Macht widersetzen können, sie hätten mich schon nicht wortwörtlich in den Festsaal getragen. Und irgendwie sind sie ja schon niedlich, mein Bruder Ben und seine Liebste. Auch wenn sie gerade mal 17 sind. So jung und unschuldig... aber nein, der Schein trügt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Bruder alles andere als unschuldig ist. Und auch seine Freundin sieht mitunter ziemlich schlampig aus, obwohl sie eigentlich recht nett ist. Aber vielleicht ist das einfach das erstrebenswerte Image heutzutage, was weiß ich.

 

Leider hat man auch auf diesem furchtbaren Ball gemerkt, dass es eben doch nicht so ganz meine Alltagsklasse ist. Deswegen habe ich auf die recht plumpen Annäherungsversuche einiger Jungs und sogar eines wohl besonders „experimentierfreudigen“ Mädchens recht unterkühlt reagiert. Aber mal ehrlich, was will ich denn mit halberwachsenen Jugendlichen, die wahrscheinlich auch nur an die verhasste Schule und die Partys dazwischen denken? Nicht, dass ich es ihnen verübeln würde, ich bin selbst nicht allzu gern zur Schule gegangen. Aber immerhin hab ich mein Abitur gut hinter mich gebracht und zu studieren angefangen. Wenn ich mir einige von Bens Freunden ansehe, scheinen die nur aus Langeweile zur Schule zu gehen. Da hat es keiner eilig, den Abschluss so schnell wie möglich zu schaffen. Ob man nun ein, zwei oder drei Jahre länger auf sein Abi wartet, ist anscheinend nicht so wichtig.

 

Nun, eigentlich interessiert mich das alles nicht wirklich. Aber es sind nette Gedanken, um mich davon abzulenken, dass mein rechter Knöchel mittlerweile ziemlich weh tut und mein Heimweg wahrscheinlich doch noch gefährlicher wird, als ich angenommen habe.

Kurzerhand schlüpfe ich aus meinen schwarzen High Heels, stopfe sie in meine Tasche und gehe vorsichtig auf bloßen Füßen weiter. Im Stillen verfluche ich den Idioten, der das Kopfsteinpflaster erfunden hat, und die volltrunkenen Assis, die ihre Flaschen auf der Straße zerschmeißen müssen. Wie soll man denn da bitte unfallfrei nach Hause finden?!

 

Letztendlich lande ich auf der Bank eines nahe gelegenen Parks und zünde mir erst einmal eine Zigarette an. Die Pause habe ich mir nach so viel Stress eindeutig verdient.

Ich lege mich hin, sodass ich freien Blick auf den klaren Nachthimmel habe. Scheiß auf das gute Kleid, ich kann mir sicherlich ein neues kaufen. Wenn nicht, muss ich wohl beim nächsten Ball zu Hause bleiben, schade aber auch.

Ich nehme einen weiteren Zug von meiner Zigarette und sehe den Rauchschwaden nach, wie sie die Nacht mit ihrem grauen Schleier kurzzeitig verhüllen. Dann mach ich mich daran, die wenigen Sternbilder, die ich kenne, zu suchen. Als Kind habe ich mich mal sehr für Astronomie begeistert, aber mittlerweile erkenne ich nur noch die Standardsachen, Orion und Kassiopeia und so weiter.

 

Schade eigentlich, dass solche kindlichen Faszinationen sich nach und nach auflösen. Ich habe mich früher für so viele Sachen interessiert. Von der obligatorischen Pferdeliebe über Chemiebaukästen bis hin zu Musik. Und obwohl ich damals fest davon überzeugt war, dass ich mich für immer für solche Sachen begeistern würde, liege ich nun Jahre später auf einer Parkbank und starre Orion zornerfüllt an, als ob der nächtliche Jäger Schuld an all den großen und kleinen Verlusten meines Lebens sei.

Aber es ist nun einmal einfacher, die Schuld auf andere abzuwälzen. Ganz ehrlich, es ist wahrscheinlich auch ganz gut so. Wenn ich mir all meiner Fehler und Sünden stets bewusst wäre, hätte ich mich doch vor Schmach schon längst umgebracht. Das kann ja keiner aushalten. Man muss einfach eine gesunde Balance zwischen Selbstkritik und Egoismus aufbauen. Und hin und wieder Eimer mit philosophischer Gedankenbrühe auskippen, sonst verstopft dieser ganze Mist noch irgendwelche wichtigen Sachen im Kopf.

Das Problem ist nur, dass es gar nicht so einfach ist den ganzen Gedankenmüll zu entsorgen, vor allem wenn man allein lebt. Nach einem Jahr in einer WG war ich vollkommen davon überzeugt, dass so etwas einfach nichts für mich ist. Und es stimmt schon, in meiner kleinen, hübschen Einraumwohnung geht es mir wesentlich besser. Ich bin nicht mehr ständig so genervt und unruhig. Aber ich habe eben auch niemanden zum Reden. „Reden wird überbewertet“, hat man mir mal gesagt. Und vielleicht stimmt das auch. Ich zumindest gebe mich nicht dem Irrglauben hin, dass man durch Worte sämtliche Probleme aus der Welt schaffen und universellen Frieden erreichen kann. Doch auch wenn es vielleicht wieder nur Zeichen meiner Schwäche ist, so fällt es mir doch schwer, mit niemanden über diesen ganzen Kram zu reden.

Aber so ist das nun mal. Letztendlich kommen mir solche Erkenntnisse nur, wenn ich nachts einsam auf einer Bank liege und in die Weiten des unergründlichen, kalten Weltalls blicke. Wenn ich dann aber wirklich einmal Menschen um mich herum habe, mit denen ich mich mitunter sogar recht gut verstehe, dann wirken auf einmal alle Gedanken an tiefgründige Gespräche so deplatziert, dass ich mich automatisch wieder nach meiner Einsamkeit sehne. Heute Abend zum Beispiel hätte ich ja mit meiner großen Schwester reden können. Wir mögen uns, auch wenn wir sehr unterschiedlich sind. Aber auf einmal gab es einfach nichts zu sagen. An solchen Beispielen wird mir immer wieder bewusst, dass mein eigentliches Problem nicht die anderen Menschen, sondern ich selbst bin. Die logische Schlussfolgerung wäre wohl mich zu ändern. Aber ich mag keine Veränderungen, selbst wenn sie positiv und notwendig sein mögen. Ich mag sie eben einfach nicht.

 

Letztendlich sind wir doch alle allein, an irgendeinem Punkt in unserem Leben. Jeder ist einsam. Man kann auch zu zweit einsam sein, verdammt, manchmal es ist sogar am einfachsten, in einer Masse von Menschen einsam zu sein. Die Kunst besteht darin, die Einsamkeit zu begrüßen und mit ihr umgehen zu können. Ich muss mich nur selbst immer wieder daran erinnern, dass Einsamkeit eben auch abhängig machen kann. 

 

~ For some people solitude and isolation can of itself become a problem. Not for me ~

 

Ich muss grinsen. Irgendwie schafft es mein MP3-Player, immer die passenden Lieder mit den passenden Texten auszuspucken. Vielleicht begründet sich darin mein Vertrauen in moderne Technik.

 

Aber auch das schönste Sinnieren und einsame Grübeln muss irgendwann ein ganz banales Ende haben. Heute ist es die Kälte, die meine nylonbedeckten Beine empor klimmt und schließlich meinen gesamten Körper zum Zittern bringt. Nun gut, vielleicht ist so ein dünnes schwarzes Kleid mit einem kaum erwähnenswerten Bolerojäckchen auch nicht die ideale Bekleidung für diese nächtliche Einsamkeitsstudie.

Ich zieh mir also wieder die verhassten High Heels an und mache mich daran, möglichst unfallfrei den Weg nach Hause zu finden. Mittlerweile bin ich wieder vollends in der leider wirklich kalten Realität und kann es gar nicht mehr erwarten, endlich in meine warme, gemütliche Wohnung zu kommen.

 

Aber trotz der Kälteattacken hat mir der Abend nun doch etwas gebracht. Ich habe mal wieder erkannt, dass ich viel zu verkopft bin und warum ich dann doch jedes Mal wieder heim laufe, anstatt das wesentlich bequemere Taxi zu nehmen – schließlich gibt es keine bessere Möglichkeit sich nach diesem Menschenauflauf zu normalisieren als eine Einheit misanthropische, melancholische Einsamkeit mit einem Hauch Nostalgie. Und wenn man all diese Stimmungsschwankungen hinter sich hat, dann fühlt man sich wieder gut und gesellschaftsfähig.

 

Und genau deswegen mach ich mir zu Hause eine Flasche Chardonnay auf und zappe mich durch das Freitagnachtfernsehprogramm. Nachdem ich mich kurzzeitig darüber aufrege, dass die Pornos echt so abgefuckt schlecht sind, dass sie keine Zuschauer haben sollten, da man sich doch jederzeit im Internet viel abgefahrenere und bessere Filme besorgen kann, bleibe ich schließlich an einer alten Star Trek Folge hängen. Und so kuschel ich mich an meine Weinflasche und verbringe eine zweisame Nacht mit ihr, während auf dem Bildschirm die flauschigen nervtötenden Tribbles für allerlei Aufregung sorgen.

 

Ein ganz normaler Freitagabend. Nur dass die Tribbles mir ein wenig mehr Flauschigkeit als üblich verschaffen. Ich sollte mir definitiv mal einen Hamster kaufen und ihn Tribble nennen. Vielleicht komme ich ja mit Tribble besser zurecht als mit all den anderen Mitbewohnern, die ich davor hatte. Schließlich können Hamster nicht reden, sie bleiben stets in ihrem Käfig und sie können sich auch nicht umbringen.

Ja, Tribble und ich, das wird wahre Liebe werden! Da bin ich mir ganz sicher!

 

Und so schlafe ich in Gedanken an meinen zukünftigen haarigen Lebensgefährten ein und verdränge ganz, dass ich bei meinem Glück bestimmt auf das Viech allergisch bin.

                       

Mittwoch, 3. November 2010

 

Ich renne so schnell ich kann, einen Fuß vor den anderen, nur nicht stolpern, nur nicht stürzen... und während ich mir hektisch den Weg durch die Menge bahne, verfluche ich all diese Zigaretten, ohne die ich anscheinend nicht mehr auskomme. Aber ehrlich mal, warum mussten diese Dinger auch den Körper so beeinträchtigen?! Ich könnte meine vollständige Lungenkapazität und sowieso eine allgemeine Grundfitness jetzt durchaus gebrauchen, vielen Dank!

Aber da ich leider immer nicht die Zeit zurück drehen oder innerhalb von weniger Sekunden wieder sportlich werden kann, bleibt mir nichts anderes übrig, als weiter zu rennen, zu keuchen, das Seitenstechen zu ignorieren und mein Leben mitsamt dieser speziellen Situation aufs gröbste zu verfluchen.

Nun ja, wenigstens lenkt mich das von dieser seltsamen Frau und meinem noch viel seltsameren Verhalten hab.

Zumindest hoffte ich das...

...aber wie das mit der Hoffnung nun einmal so ist, wird sie nur in den seltensten Fällen wirklich erhört. Und so kommt meine überstürzte Flucht - denn so sehr ich weg laufen auch hasse, nichts anderes ist es - zu einem abrupten Ende, als sich erstaunlich starke Finger in meine Schulter krallen und mit Schwung zurück reißen.

Ich werde durch diese Bewegung dermaßen aus dem Gleichgewicht gebracht, dass ich unwillkürlich stolpere und unsanft zu Boden stürze. Völlig außer Atem sitze ich also da, höre mein eigenes Herz rasen, das Blut rauscht in meinen Ohren - und der Grund für mein Unwohlbefinden steht neben mir und sieht mit undefinierbarem Gesichtsausdruck auf mich herab. Ich starre ebenso blank zurück.

Schließlich seufzt sie ungehalten und streckt mir eine ihrer hübschen Hände entgegen. Sie hat lange, schmale Finger, die perfekt dafür geeignet wäre, Klavier zu spielen. Oder Cembalo, den Klang eines Cembalos finde ich sogar noch schöner. Oder vielleicht spielt sie auch Violine... Aber all dieses Nachsinnen über mögliche klassische Instrumente, die sie beherrschen könnte, bringt mir gar nichts. Deswegen nehme ich einfach ihre Hand und lasse mir von ihr aufhelfen.

Ich habe keine Ahnung, was heute mit mir los ist, geschweige denn wie es jetzt weiter gehen soll. Also beschließe ich, mich einfach von der Sirenen Lady führen zu lassen, weil sie ja auch die jenige war, die mir hinterher gejagt ist. Da kann sie auch ruhig die Kontrolle über diese Situation übernehmen, ich bin momentan sowieso absolut überfordert.

Sie scheint das auch so zu sehen, denn ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen zieht sie mich hinter sich her. Sie findet graziös einen Weg durch all diese Menschen, nur ich stoße ab und zu gegen ein paar fremde Körper und murmele halbe Entschuldigungen. Ja, so verwirrt bin ich, dass ich mich sogar entschuldige...

Wir verlassen die Metro. Ich kenne mich hier nicht besonders aus, da in den großen Städten sowieso alle Straßen gleich aussehen. Also vertraue ich auch weiterhin meiner seltsamen Fremdenführerin, die im Gegensatz zu mir auf echte Ortskenntnisse zurück zu greifen scheint. Nur reden will sie anscheinend immer noch nicht. Soll mir recht sein, denn ich habe keine Ahnung, was ich zu ihr sagen sollte. Na ja, ich könnte mich vielleicht für mein abgedrehtes Verhalten von vorhin entschuldigen. Oder ihr mein Notizbuch zeigen. Oder sie nach ihrem Namen fragen. Oder danach, wie sie ihren Kaffee trinkt. Falls sie nicht doch eher der Tee-Mensch ist, kann man ja nie wissen. Ich zumindest nicht, meine Menschenkenntnis lässt manchmal zu wünschen übrig.

 

Samstag, 30. Oktober 2010

So, heut ist also Halloween Party im Club. Einlasspreis wird durch irgendnen komisches Spiel festgelegt, also irgendwas zwischen 1 - 5 Euro für schlechte Musik und größtenteils komische Menschen. Dazu noch Kostümpflicht. Kostümpflicht, hallo?! 

Naja, einen guten Aspekt hat der ganze Schwachsinn: Es sind auch vereinzelt ein paar nette Leute da. Und angeblich ist der Club sehr hübsch dekoriert. 

Wenn ich mich jetzt noch entscheiden kann, ob ich lieber schön gemütlich selbst fahre und wiedermal nüchter bleibe, oder eben doch trinke und dann halt Taxi fahre. Ich hasse Entscheidungen.

Nya, wenn nicht bleib ich zu Hause und seh mir noch ein paar mehr Gregg Araki Filme an. Der Typ hats echt drauf, ich bin grad noch bei der Teenage Apocalypse Trilogy (mir fehlt noch Totally Fucked Up). Rose McGowan (mitsamt nackter Brüste), Sex, Drugs and Rock´n Roll, Homoerotik, Gewalt, Humor, was will man mehr?!


Aber trotzdem war Halloween (oder der Tag davor, wie auch immer) sonst irgendwie cooler geplant. Hm.

Montag, 25. Oktober 2010



Yaaay endlich, endlich wieder dunkle Haare! *___*

Ich hasse mein natürliches Blond. Es gibt Leute, denen diese Haarfarbe steht, aber nicht mir. Außerdem passen dunkle Haare viel besser zum Herbst und so... =)


Samstag, 16. Oktober 2010

Diese Schlampe


Sie ist hübsch. Sie ist nett. Sie ist liebevoll.


Hure


Sie ist humorvoll. Sie ist ein bisschen verrückt. Sie ist intelligent. Niedlich. Eine echte Freundin.


Lügnerin


Sie ist impulsiv. Und natürlich kreativ. Eine wahre Künstlerin. Sie ist schüchtern. Sie ist unsicher. Sie ist absolut liebenswert.


Verräterin 


Sie geht fremd. Sie tut so ahnungslos, so unschuldig. Sie ist gut im Bett. Muss wohl an der vielen Übung liegen.


Betrügerin


Sie macht mich fertig. Mit voller Absicht? Sie erniedrigt mich. Sie bringt mich zum zweifeln. Sie sagt, sie braucht mich. Sie vermisst mich.


Ich vermisse sie. Ich brauche sie. Sie macht mir Vorwürfe. Ausgerechnet sie.



Und wie kann man nur so idiotisch sein und mir so etwas erst sechs Monate später zu beichten, an einem Abend, an dem ich auch noch fahren muss und nichts trinken kann? Wo ich ihm gerade gesagt habe, dass es mir endlich besser geht? Wo ich doch allein damit fertig werden darf?

Wie kann er nur so ein egoistischer Idiot sein? Schämt er sich wenigstens? Hat er Schuldgefühle? Hat er Mitgefühl?

Und trotzdem verzeihe ich ihm das alles. Was soll ich auch sonst tun.


Verräterin!


Donnerstag, 14. Oktober 2010

„Lass uns über Liebe reden.“

 

„Liebe?“, entgegne ich erstaunt und sehe Maya fragend an.

 

„Ja, Liebe. Du weißt schon, diese besondere Art der Zuneigung, die Menschen empfinden können. Tiere vielleicht auch, keine Ahnung, aber darum geht es jetzt nicht. Ich meine auch nicht die viel zitierte und nie erreichte Nächstenliebe, ich spreche von reiner, normaler Liebe, die manchmal aus dem flüchtigen Gefühl des Verliebtseins hervor geht. Zwischen Ehepartnern, zum Beispiel.“

 

„Du spinnst, weißt du das?“

 

Und das stimmt, Maya ist wirklich etwas seltsam.

Wir sitzen jetzt schon seit einer Stunde auf dieser Bank, über uns die verdreckten Bahnhofslampen, um uns herum krabbeln Menschen wie Insekten hin und her in ihrem Wahn, den schmutzigen Alltag so schnell wie möglich hinter sich zu bringen, obwohl sie ihm doch nie entfliehen können.

Wir sitzen hier jetzt schon seit einer Stunde, die wir hauptsächlich mit Schweigen und Rauchen verbracht haben. Ab und zu tauschen wir bedeutungslose, abfällige Worte über den Abschaum um uns herum aus.

Und jetzt will sie ausgerechnet über Liebe reden, über Nähe und Schönheit?!

 

„Also weißt du, Maya, ich hab zwar keine Ahnung, was das jetzt soll, aber gut, reden wir eben über Liebe. Ich glaube nicht an sie. Ich halte sie für ein Gerücht, für eine schöne Ausrede, um diese Existenz für schwache Menschen erträglicher zu machen.“

 

Ihr seltsames Lächeln, dass ihr Gesicht scheinbar niemals verlässt, wird etwas breiter und sie entgegnet:

„Ach, du glaubst also nicht an Liebe. Liebe ist eine Lüge, ja? Und dieses Pärchen dort, das belügt sich also deiner Meinung nach jeden Tag aufs Neue?“

 

Ich folge ihrem Blick und sehe Martha und Aya. Keine Ahnung, ob sie so heißen, aber sie sind schon seit fast einem Jahr jedes Wochenende wieder auf diesem Bahnsteig. Da musste ich ihnen ja irgendwann Namen geben.

Martha ist relativ klein und etwas pummelig. Ich habe bis heute nicht heraus gefunden, was sie beruflich macht, aber ich könnte sie mir sehr gut in einem Kindergarten vorstellen.

Sie sieht immer so ehrlich aus. Einmal hat sie einen Mann angeschrien, weil er sich über einen Punk aufgeregt hat. Sie ist zwar noch jung, in ihren Zwanzigern, aber dennoch wirkt sie sehr erwachsen. Als ob sie wirklich nach gutem Gewissen ihr Bestes gibt und ein vernünftiges Leben führt. Diese Art von Menschen, die es viel zu selten gibt.

Sie immer trifft als erstes ein, um auf Aya zu warten.

Aya ist bestimmt vietnamesischer Herkunft, jedenfalls seinem Aussehen und den wenigen Sprachfetzen nach zu urteilen, die ich ab und zu auffangen konnte. Aya ist ein Mann, trotz des Frauenname, den ich ihm gegeben habe. Er hat eine unglaublich sanfte, nette Ausstrahlung. Er trägt manchmal einen Anzug und sieht darin verdammt gut aus. Er ist absolut höflich und absolut niedlich. Und er sieht Martha an, als ob sie das absolut schönste Wesen auf der Welt ist.

Und ausgerechnet diese Menschen sollen sich jeden Tag ins Gesicht lügen?

 

Ich verstehe Mayas Frage und wiege den Kopf leicht hin und her.

„Naja, vielleicht war das zu krass formuliert. Ich glaube, der Unterschied liegt darin, ob man persönlich an die Liebe glaubt oder nicht. Martha und Aya glauben daran, eindeutig. Und wenn sie daran glauben, dann existiert diese Liebe zwischen ihnen auch. Liebe ist Definitionssache, ganz ehrlich. Und irgendwie ist es wie mit einer Religion, die für den Gläubigen die reine, absolute Wahrheit ist, während Außenstehende sie als Lüge beurteilen. Aber eigentlich hat niemand das Recht, über die Ansichten und Grundsätze andere zu urteilen. Also sollte ich wohl lieber sagen, dass Liebe sicherlich existiert, eben nur nicht für mich.“

Zufrieden mit meiner Antwort lehne ich mich zurück und zünde mir eine weitere Zigarette an. Ich wollte zwar eigentlich nicht mehr rauchen, aber was soll ich denn sonst mit all der Zeit anfangen?

Maya mustert mich interessiert von der Seite, und ihre hübschen bernsteinfarbenen Augen spiegeln das Halblächeln ihrer Lippen wider.

 

In diesem Moment sieht sie so schön und geheimnisvoll aus, dass ich sie einfach fragen muss.

„Und du? Glaubst du etwa an die Liebe?“

 

Denn irgendwie kann ich sie mir vorstellen, in dreißig, vierzig Jahren, mit einem Mann an ihrer Seite, der sie absolut vergöttert, der sie glücklich macht, und dem sie dann genau dieses mysteriöse Lächeln schenkt. Und ich frage mich, ob das Liebe ist. Sicherheit, Geborgenheit, geteilte Einsamkeit, Beständigkeit, die über Jahrzehnte andauert.

 

Ich weiß es nicht.

 

Doch Maya unterbricht meine wirren Gedanken mit ihrer sanften Stimme.

„Glauben? Für mich hat Liebe nichts mit Glauben zu tun. Liebe ist einfach. Man kann sie nicht steuern, man kann sie nicht kontrollieren. Aber ja, auch ich denke, dass nicht jeder Mensch lieben kann...

Doch weißt du, letztendlich ist das doch alles egal. Wenn man wirklich liebt, dann braucht man auch keine Worte mehr für dieses Gefühl, es sei denn, man will einen schlechten Roman darüber schreiben.
Außerdem kann Liebe so einfach sein, denn du vergisst die Liebe des Moments. Dieses Gefühl, das auf einmal auftaucht, eine beinahe gespenstische Nähe, ein plötzliches Verständnis, als ob man eins wird... Ein Augenblick, der nur ein Bruchteil einer menschlichen Ewigkeit ist, und dennoch mindestens genauso bedeutsam.“

 

Und als sie mich dabei offen ansieht und ihren Kopf an meine Schulter legt, muss auch ich lächeln.
Maya hat recht.

Manchmal braucht man einfach keine Worte.

Denn egal man es nun Liebe, Zuneigung oder Verbundenheit nennt, wichtig ist doch nur, dass es schön ist.

Donnerstag, 30. September 2010

Friday I´m in love

So, das waren jetzt ein paar furchtbare Wochen. Furchtbar anstrengend, furchtbar stressig, furchtbar emotional... naja, letzteres wären sie gewesen, wenn ich es zugelassen hätte.

Aber irgendwer musste ja ruhig bleiben. Muss ich immer. Außerdem steh ich eindeutig lieber der ganzen Sache mit absoluter Gefühlskälte gegenüber als diese ganze Energie aufzuwenden, um mich angemessen aufzuregen.

Dafür gibt es ja dann den Freitag. Denn schließlich lässt sich alles mit Alkohol davon spülen, und dieses tolle Gefühl hatte ich schon länger nicht mehr. Und ich werde dabei Tiamat hören, Wildhoney hat irgendwie so ne hübsche Drogenatmosphäre. Klingt nach nem Plan. 


Schade nur, dass der ganze Stress sämtliche Kreativität vernichtet hat. Ja, ich weiß, ich bin kein kreativer Mensch - aber das heißt nicht, dass ich nicht durchaus mal kreativ sein kann. Nur momentan leider nicht. Aus einer leeren Hülle können auch keine literarischen Ergüsse kommen, um es mal so zu formulieren.


Wie auch immer. Morgen geh ich trinken. Samstag werd ich krank.

Cheers!

Samstag, 11. September 2010

Alles hat ein Ende.

Dieser Satz hallt jeden Tag in meinem Kopf wider. Ich sehe es, wenn ich die Menschen um mich herum ansehe. Ich höre es, wenn ich den Gesprächen um mich herum zuhöre. Aber vor allem spüre ich es. Ich erwache jedem Tag mit dem Gefühl, dass mein Leben zuende ist. Alles ist müde. Es ist, als wäre die Welt als Ganzes erschöpft. Als gäbe es einfach keine Kraft mehr, aus der man Energie schöpfen kann. Als wären wir alle nur noch tote Masse, die sich im Wind hin und her treiben lässt.

Ich habe das Gefühl, vollkommen ausgebrannt zu sein. Klar, theoretisch existieren ja so viele Möglichkeiten. Aber Angst lähmt. Trägheit lähmt. Und irgendwann verläuft die gesamte Existenz nur noch in immer gleichen Abläufen, weil die Flexibilität und Energie für alles andere fehlt.

Ich könnte weinen, ich könnte schreien, ich könnte alles um mich herum zerstören - aber ich kann es nicht. Ich weiß nicht mehr, ob ich es nicht kann weil ich es nicht darf, oder ob es andersherum ist. Ich weiß gar nichts mehr, ich spüre nur noch diese Leere. Dieses Verlangen einfach allein zu sein, die Augen zu schließen und sie nie wieder zu öffnen. Einfach nie wieder aufzuwachen, weil dieser Alltag mich so endlos überfordert.

Und dann sind da ja immer die anderen. Die anderen, die Erwartungen haben, Ansprüche und Forderungen stellen, mich beanspruchen und sich dann noch das Recht herausnehmen sich zu beschweren. Ich kann sie nicht mehr ertragen. Ich versuche es, aber alles in mir schreit auf. Sie sollen hinsehen! Sie sollen verstehen! Aber es ist ja allgemein bekannt, dass Ignoranz eine der größten Stärken des menschlichen Charakters ist. 


Ich weiß wirklich nicht, wie ich dieses Schuljahr überstehen soll. Es ist gerade einmal ein Monat vergangen. Ich habe keine Energie mehr. Ich will nur noch Ruhe. Erholung. Schlaf. Betäubung. 


Aber nun ja. Ich sollte wahrscheinlich einfach nicht so viel jammern. Und in einem dreiviertel Jahr ist das alles vorbei. In einem dreiviertel Jahr ist alles vorbei...


Montag, 16. August 2010

Die Made

 

Oh sieh mal: Eine Made.

Eklig, weiß, sich windend in dem Bestreben voran zu kommen. Für sie ist jeder Zentimeter ein Sieg. Wie will sie da jemals die Welt so sehen, wie sie ist? Wie will sie jemals diese Unendlichkeit begreifen? Wie tief will sie ihre Ziele noch stecken? Erbärmlich kriecht sie voran, frisst sich krank an Aas, befleckt die Erde mit ihrem fetten, schleimigen Leib.

Sieh sie dir an. Sieh sie dir genau an und sage mir, was du siehst.

Fühlst du dich überlegen?

Fühlst du dich besser als sie, wertvoller?

Merkst du nicht, dass du genauso bist wie sie, gefangen in der Winzigkeit und Anmaßung deiner Welt, deiner Existenz?

Du kriechst im Dreck und denkst, du erkundest die Welt.

Du verlierst dich in deinem Mikrokosmos und meinst, du hättest alles gesehen.
Du bist erbärmlich, genauso wie sie.

Und doch nennst du dich entwickelt, intelligent, modern und überlegen? Siehst du nicht, wie lächerlich du bist? Wie niedrig? Wie klein und dreckig?

Weißt du, was man mit Maden macht? Was du mit Maden machst?

Richtig, du zertrittst sie. Zermalmst sie.

Denkst du etwa, dein Schicksal wird anders ausgehen?

Nein, auch du wirst eines Tages einfach ausgelöscht werden. Von etwas Größeren zerquetscht, dass du in deiner ach so perfekten, kontrollierten Welt übersehen hast. Dann merkst du, dass deine Welt anscheinend doch kleiner war, als du gedacht hast.

Vielleicht schneiden sie dir auch den fetten Leib auf. Schließlich kannst du in deiner Einfachheit, in deiner Hässlichkeit ja durchaus interessant und nützlich sein. Vielleicht haben sie auch einfach ihren Spaß daran, Scheibe um Scheibe von dir abzuschneiden, bis nur noch dein müdes, von Grauen und Unverstehen erfülltes Gehirn übrig ist, das langsam vor sich hinstirbt. Vielleicht gibt es in ihrer Welt auch Fische, an die du verfüttert wirst. Vielleicht essen sie dich. Proteine wirst du ja wohl liefern können. Und wenn sie dir überlegen sind, mit welchem Recht, mit welcher Kraft willst du sie abhalten? Warum solltest du ihnen etwas verwehren, das du jeden Tag selbst in vollem Maße auslebst?

 

Die Wahrheit ist doch, dass wir alle Maden sind. Reg dich also nicht auf, du kannst sowieso nichts dagegen machen. Aber vielleicht erkennst du ja deine eigene Ekligkeit, deine eigene Hässlichkeit, deine eigene Arroganz.

Befreie dich von ihr, von deinem erbärmlichen Dasein.  Befreie dich von deinem weißen, glatt-schleimigen Leib, der dich in seiner kleinen Welt eingesperrt hat. Es gibt kein Entkommen, aber sich selbst zu befreien öffnet neue Wege. Versuch es, es ist eine Chance. Was hast du schon zu verlieren in dieser von Maden überfüllten, zerfressenen Welt?

 

Samstag, 31. Juli 2010

FATE - A Weiss Kreuz Fanfiction

FATE 

It was a perfectly normal day when Aya met his fate.

Young school girls who screamed as if they were meeting some kind of famous rock star, unfriendly customers with maddening fancy orders, annoying chit chat, a little blood cleansing – reddish stains on leather and steel weren´t really his style – and no mission to distract himself. Nothing out of the ordinary. Insane, oh yes, fucked up, no doubt, but nothing new.

Until Aya met Yohji.

Aya didn´t believe in soul mates. He certainly loved his sister dearly and she was the one person who knew him in and out, he could trust her with everything – but they were just too different to be “soulmates”. And if his beloved sister was different, then Kudoh Yohji was from another fucking universe.

It wasn´t that Aya found Yohji´s ways of flirting, smoking and drinking bad or primitive – hell, how could one murderer judge another? No, it was just the fact that Yohji and Aya did not really get each other. Of course they shared their every day life – and their not so legal nocturnal occupation – and they even cared for each other in a special way – saving each other´s life could do that to people – but they would never go as far as trying to understand each other. Aya didn´t take any interest in whatever Yohji did in his free time and vice versa. They co-existed like that for years until it all should change in one second.

That wasn´t unexpected, after all killing together was quite a weird and strangely strong bond. It was just too ironic that it should happen on a day like that.

Later Aya would say that it was all Yohji´s fault. Yohji would counter that Aya was the one who reacted against his nature. The  others just would ignore the bickering and smile.

But all that didn´t matter to Aya on that fateful day – mainly because he didn´t know of the following events.

In fact Aya didn´t know anything at the moment. No, he had better things to do – like bathing in the sight that was Kudoh Yohji. It was no secret that said blond cared more for his beauty than most men did. Even a fucked-up Yohji had this air of “designer” and “used and destroyed look”, “vintage” or whatever it was.

Therefore new and shiny clothes or a new hair style were to be expected.

But on that special day something very unusual happened. Yohji got sick. 

Not “god am I hangover” sick and not “sleep deprivation doesn´t do me any good” sick. No, it was a perfectly normal cold.

And that was the reason why Aya, as he entered Yohji´s bed room, was greeted by an unbelievable sight. Blond curls were dark with sweat and hung messily around a pale face with a red nose. If Aya weren´t as dead serious as he was known to be he surely would´ve cracked a joke about “Yohji the red-nosed playboy”.

But Aya just gaped.

Dark shadows underlined bloodshot, puffy eyes. The nose was not only red, but running as well. The carefully tanned  body was clad in very old pink sweat pants and a large blue sweater.The throat was warmed by a long and apparently soft green scarf. Warm, self-knitted socks completed the picture.

It was a sight of sickness, messiness and misery. A display of weakness. It was everything that Kudoh Yohji was and everything that he wasn´t.

It was utterly beautiful.

Aya stared.

Even in literally life-or-death situations had he never seen his teammate so honest, so simple, so undisguised.

This was plain Yohji - and Aya was absolutely intrigued.

He couldn´t describe it, hell, he didn´t even know what the fuck was going on. In one minute he was his usual uncaring, composed self, in the next moment he found himself totally fixated on Yohji and Yohji alone.

In this second Aya understood.

This man was it.

“It” could be lover, friend, partner, mate, even soul mate. Labels and terms didn´t have any meaning anymore. They would merely veil the true implications of that moment.

Because Aya knew that he had – out of the blue – found the one person he was eternally tied to, the person he would always share his life with in any way.

And that was the reason why he silently went to the kitchen, brewed fresh tea and some hot soup, grabbed some meds and hurried back to Yohji. Curing sickness was something he hadn´t done since Aya-chan was taken from him, but this was special.

And so he simply took a blanket, snuggled up against Yohji and held him in the throws of coughs and fever. Everyone needed someone who – at least from time to time – protected him against the whole world.

Aya just decided that he was that someone for Yohji.

And years later he  could admit that even despite all his complaints, he couldn´t have chosen anyone else.

Montag, 26. Juli 2010

moons fucking greaaaaaaaaaaaaaaaaat!

drinking with hope and moon and its fucking awesome! AWESOME I tell you!
Full of lesbian sexual energy and "mana mana" porn music and its really really awesome and I wasnt that drunk since last year but its so much more fun and im just bloody happy and its bloody awesome and i likje them both so very very much - and did I mention how fucking AWESOME this night is?! Love them both <3

Sonntag, 18. Juli 2010

She

I´m going to see her again. Yup, HER. The one I loved. The one who loved me.

The one who made me feel betrayed although there never was an actual betrayal. 

The one who made me jealous and hurt although I didn´t - and still don´t, for the matter - have a right to feel like this.

I´m still feeling nauseous and sick when I´m merely _thinking_ of her. Oh god, what shall I do, what shall I say, what shall I _feel_?! Because it is HER. She has asked me to come over, and I wasn´t that excitet, and then she was the one who said it was ME who didn´t want that friendship anymore. And maybe she´s right, I´m certainly the one who fucked this whole thing up because I was just too fragile, and I was just too hurt, and I felt as if I couldn´t go on with her, and I couldn´t go on without her. She´s tearing me apart and she doesn´t even know it. She doesn´t even know how much I HURT just thinking about her. I´m so afraid. I don´t know what to do, what to say, what to feel. I probably shouldn´t have accepted the invitation to begin with. But... but I miss her so fucking much.

Despite everything that was and everything that will be, I still fucking miss her. She misses me too, she says. Well, guh, who would´ve guessed. She stopped talking to me. It was always ME who ended up doing the awkward talking stuff when we had issues to discuss. And now... and now SHE has invited me. That changes nothing. That changes everything. I´m so out of my mind right now... I feel so sick. I feel alone. Why the hell isn´t there anybody who helps me and tells me what to do about this mess?! Why the hell do I have to figure it all out by myself? And when exactly did I become so stupidly lonely? Well, I guess I should´ve learned by now that shutting everyone else out and not going out for weeks has its disadvantages. But heey, certain limbs are looking better now than they did before. But again it´s not my sanity, but my parents who are responsible for that.

I´m such a turmoil of emotions right now. 

I need a fucking cigarette.

Heh, at least my last Weiss Kreuz fanfiction did actually make the person happy it was written for. Well, perhaps one thing I´m useful for. 

Dienstag, 6. Juli 2010

ISOLATION

ISOLATION

 

Ich liege auf dem dreckigen Boden einer nahezu menschenleeren Metro-Station. Personen umringen mich, natürlich, aber nach Menschen suche ich vergeblich. Ich habe schon lange aufgehört, diese graue Masse als menschliche Individuen anzusehen. Sie sind grau für mich, grau in ihren Anzügen und Kostümen, grau in ihrer Einfalt, grau in ihrer Überheblichkeit, grau in ihrer Anonymität. Personen sind anonym. Menschen besitzen eine Individualität. Jedenfalls sage ich mir das immer wieder, wenn ich voller Abscheu auf diese Masse blicke. Vielleicht ist es aber auch einfach nur ein jämmerlicher Versuch, meinen fragilen Verstand zu schützen. Denn wenn sie alle keine Menschen sind, dann macht es doch auch nichts, dass sie mich ignorieren. Wenn sie keine Menschen sind, muss ich mich nicht um ihre Meinung scheren. Wenn sie einfach nur Personen sind, dann heißt das für mich, dass ich die wahren, richtigen Menschen erst noch finden muss. Und vielleicht ist eine namenlose Metro-Station in einer namenlosen Großstadt einfach nicht der richtige Ort, um nach Menschlichkeit zu suchen.

Aber so wie ich mich kenne, sind das alles nur schwache Hoffnungen, wie sie zu einem Menschen wie mir passen. Denn ich habe meine Identität gesucht, ich habe meine Menschlichkeit gesucht und gefunden – und erkannt, dass meine Menschlichkeit in Wirklichkeit nur Schwäche, Angst und Unfähigkeit bedeutet. Rational betrachtet ist es meine Menschlichkeit, die mich so erbärmlich macht.

Andererseits ist das alles bloße Theorie. Denn mitten im gelebten Augenblick fühle ich einfach und genieße meine Menschlichkeit, ich erfreue mich an dem einfachen Fakt, dass ich lebendig bin, ich nehme die Schönheit meiner Umgebung in mir auf und spüre förmlich, wie meine Seele aufatmet.

Aber was bringt mir das, wenn diese gelebten Augenblicke immer seltener werden?

Es ist schon seltsam, dass ich – und jeder andere Mensch auch – als Kind viel fröhlicher war als heute. Im selben Maße, in dem mein Bewusstsein für die unverzichtbaren Momente steigt, sinkt die Anzahl eben dieser. Ich bin kaum mehr in der Lage einfach zu fühlen. Der viel gepriesene Geist, der uns steuert, die intelligente Essenz unseres Seins, die uns zu technischem Fortschritt und Industrialisierung verholfen hat, zerstört unser eigentliches Leben. Ich bin gefangen in einer Welt aus Theorie, einer Welt aus Gedanken, die im praktischen Leben keine Bedeutung haben. Und doch kann ich sie nicht ignorieren, ich kann ihnen nicht entfliehen. Sie scheinen mich zu verhöhnen, sie zeigen mir mit kaltem Zynismus, wie erbärmlich mein aktives Handeln und impulsives Fühlen nach meinen eigenen Überlegungen doch sind.

 

Ich schreibe all das in mein Notizbuch, dessen persönlicher Wert einem Außenstehenden aufgrund des halb gerissenen Einbands und der teilweise geknickten Blätter wohl kaum auffallen würde. Aber das ist nun mal eines der wenigen Vergnügen, das ich mir täglich erlaube: andere durch die Wandelbarkeit der äußeren Erscheinung verwirren. Es gibt mir eine beinahe perverse Freude, mit meinem Aussehen zu spielen. Manchmal zwänge ich mich in Korsett und Minirock, um in den schockierten und empörten Blicken zu baden, stets in dem Wissen, dass ich mein Abitur mit 1,2 in der Tasche habe. An anderen Tagen schlüpfe ich in einen schicken Hosenanzug, steck meine Haare hoch und setze eine dieser wundervollen Sekretärinnen Brillen auf, die ich so liebe. Und während ich also für alle Welt autoritär und intelligent aussehe, kaufe ich mir die neueste Playboy-Ausgabe und beschalle meine Mitmenschen mit den Blastbeats aus meinen Kopfhörern. Black Metal für die Massen.

Doch selbst dann ist es letztendlich die kalte, verächtliche Stimme in meinem Kopf, die zuletzt lacht – über mich. Denn in jedem Kostüm steckt ein Stück von mir selbst. Mit jeder Verkleidung entblöße ich mich nur weiterhin, ohne es mir selbst einzugestehen. Wahre Stärke wäre es ja, einfach zu sein, ohne auf all die anderen zu achten. Ich definiere mich über die Meinung anderer. Ich brauche Anerkennung. Ich bin menschlich. Ich bin erbärmlich.

Und all meine Gedanken kreisen in Spiralen um dieses Thema. Die menschliche Schwäche. Die persönliche Schwäche. Gegensätze, und doch so gleich. Dunkelheit. Und immer diese Stimme im Hinterkopf, deren kaltes, erbarmungsloses Gelächter mir den Schlaf raubt und mich triezt: DU bist es doch, die diese Isolation gewählt hat. DU bist die Schwäche. DU bist alles, was du verachtest. Du hast dich grundlos in die Dunkelheit gestürzt, weil dir die Kraft fehlt, dich aufzuraffen.

 

Wenn ich an diesem Punkt angelangt bin, muss ich mein Notizbuch zuschlagen. Ich weiß, was passiert, wenn ich weiterschreibe. Ich weiß, wo ich dann ende, und ich will es nicht. Aber es ist so gottverdammt schwer. Ich beiße mir in meine Handknöchel, ich werfe den Stift weg, ich kaue auf meinen Fingernägeln, bis das Fleisch aufgerissen und blutig ist, ich zünde mir mit zitternden Händen eine Zigarette an und rauche hastig. In diesen Fällen bin ich aufrichtig dankbar für die giftigen Glimmstängel. Klar, Nikotin hat in Wirklichkeit keinen beruhigenden Effekt. Aber trotzdem fühle ich, wie ich mich mit jedem Zug mehr entspanne. Das liegt daran, dass man durch das Rauchen bewusster und intensiver atmet. Rauch atmend in die Lunge ziehen, halten, wieder ausstoßen und den Weg der grauen Schwaden in der kühlen Herbstluft verfolgen.

Manchmal geschieht es, dass ich in dieser Phase meiner abendlichen Routine angesprochen werde. Vielleicht, weil ich so einen melancholisch verzweifelten Gesichtsausdruck trage. Vielleicht, weil meine Hände bluten. Oder, im banalsten Fall, weil ich wieder mal im Nichtraucherbereich gelandet bin und sich irgendein intolerantes Arschloch gestört fühlt. Letzteres ist fast mein Lieblingsszenario, weil es mir gleich wieder etwas zum Aufregen und gleichzeitig Amüsieren gibt. Mit Mitgefühl, kritischen Nachfragen oder einem aus Langeweile entstandenen „Willst du drüber reden?“ kann ich nicht so viel anfangen. Denn selbst wenn sie sich wirklich für mich interessieren, wenn sie es verstehen, was nützt es mir? Ich kenne sie nicht, all diese Personen an der Metro-Station. Ich möchte sie auch gar nicht kennen, sie sollen grau und unsichtbar bleiben, denn dann bin ich auch unsichtbar für sie. Ein Geist unter Geistern fällt nicht auf. Gleichzeitig schreit es in mir, ich ersticke an Einsamkeit und Isolation, ich ersticke an der Abgrenzung, die ich selbst gewählt habe. Und ich lache über mich, über die Menschen, ich lache und lache und kann gar nicht mehr aufhören. Vielen Dank, ich weiß, dass man sowas durchaus als hysterische Reaktion bezeichnen kann.

 

Und doch liege ich also auch heute wieder auf einer Bank und werfe meinen Kuli in Richtung Gleise. Meine Hände zittern immer noch, also wird die zweite Zigarette angezündet. Einatmen, ausatmen. Einatmen, ausatmen. Ha, klingt ja fast wie bei einer Geburt. Was wohl der gute Dr. Lamaze sagen würde, wenn ich Rauchen im Kreissaal anstatt der üblichen Atemtechniken vorschlagen würde, die ja sowieso nicht helfen? In den letzten Stunden vor der Geburt wird es dem Baby wohl kaum schaden, wenn seine große, schwammige, fette Mutter etwas Nikotin in ihren ohnehin schon missbrauchten und vergifteten Körper saugt. Wäre mal interessant zu erforschen, ob das rein theoretisch wirklich funktionieren würde.

Bei diesem Gedanken muss ich lachen, ein trockener, halb erstickter Laut, der dennoch viel zu laut in meinen Ohren klingt. Aber auch das bleibt unbemerkt von der Masse um mich herum. Ihre Blicke gleiten von mir ab, sie nehmen mich nur am Rande ihres Bewusstseins wahr und stufen mich unwillkürlich als unwichtig ein.

 

Wie in einer Seifenblase liege ich auf dieser verdreckten Bank, starre die ebenfalls dreckige Decke mit den gelb-gräulichen Leuchten an, ignoriere die Menschen um mich herum und schwelge in meinen dunklen irren Gedankengängen.

 

Bis...

...bis auf einmal ein Schrei meine Seifenblase zerplatzen lässt und mich bis ins Innere erschüttert.

Mit einem Ruck setze ich mich auf und streiche mir ein paar lästige Strähnen nach hinten. Gehetzt blicke ich um mich, durchsuche all diese Menschen um mich herum, die auf einmal viel zu unterschiedlich und viel zu individuell wirken. Da steht eine junge Frau in Daunenjacke, die ausgezehrt und traurig aussieht. Dort lacht ein älterer Mann mit leichtem Bierbauch und einer Brille über etwas, das der andere Mann, ein Intellektueller mit ordentlichen, gebügelten Klamotten,  ihm wohl gerade erzählt hat. Etwa fünfzehn Meter neben mir steht eine Mutter mit einem kleinen Kind auf dem Arm, was hin und wieder aufschreit, bis sie ihm das Mäulchen mit dem Nuckel stopft. Auf der anderen Seite stehen einige sympathisch aussehende junge Menschen in schwarzen Bandpullovern mit kaum lesbarem Aufdrücken, wie Geheimschrift, die nur Eingeweihten Sinn macht. Etwas daneben lungert eine Gruppe junger Mädchen rum, die mit ihren Netzstrumpfhosen und dem viel zu grellen Make-Up wohl ihren älteren Vorbildern nachzueifern glauben, es aber doch eher in Richtung Bordsteinschwalbe schaffen. Und zwischendrin all diese geschäftigen Geschäftsmännern in ihren grauen, pardon, anthrazitfarbenen Geschäftsanzügen und Aktenkoffern. Aber sie alle sind unwichtig für mich, ich spüre instinktiv, dass ich weitersuchen muss.

Ich drehe mich um  -

Und dort sehe ich sie.

Sie ist etwas älter als ich und wesentlich hübscher.

Lange, dunkle Haare, die ihr strähnig über die Schultern hängen. Ein knallroter, wallender Rock. Durchgeweichte Turnschuh. Schwarze Kniestrümpfe. Ein grauer Anorak. Ein Rucksack, der mehr wie diese Schulranzen aussieht, die man in der vierten Klasse trägt.

Und rote Lippen, die zweifellos diesen markerschütternden Schrei ausgestoßen haben.

Wie paralysiert starre ich sie an. Mein Blick klebt an ihr, ich kann ihn einfach nicht abwenden. Sie sieht nicht besonders aus. Sie müsste grau sein, wie all die anderen hier. Warum ist sie es nicht? Was zum Teufel ist mit ihr los? Und was, zur Hölle, ist mit MIR los?!


Doch all das denken hilft wie immer nichts, denn es ist wieder einer dieser Augenblicke. Und schon sehe ich, wie meine Hände sich bewegen und meine dunkelgrüne Stofftasche aufheben. Meine Füße stellen sich wie von selbst parallel nebeneinander auf den Boden, bevor sich mein ganzer Körper unfreiwillig erhebt und ich wie im Schlaf zu der unbekannten Sirene herüberstolpere. Ha, wenn sie wenigstens so eine sirenengleiche Schönheit hätte! Aber nein, sie ist ein ganz normales, wenn auch hübsches Mädchen... war es, bevor ich ihren Schrei hörte.

Und genau in diesem Moment beschließt sie wieder zu schreien.

In Wirklichkeit ist es eher wie ein halblautes Schluchzen, ein erstickter Aufschrei, dem niemand sonst Beachtung schenkt. Aber ich fühle mich wie magisch davon angezogen, ich schlafwandel bei vollem Bewusstsein auf sie zu und bleibe vor ihr stehen.

Ich starre ihr in die Augen, in diese seltsamen, bernsteinfarbenen Augen, nehme ihre feinen, leicht gebräunten Gesichtszüge wahr, ich erkenne, dass ihre Haare ein seltsames dunkellila sind. Ich sehe sie an und weiß nicht, was ich sagen soll.

Sie starrt genauso stumm zurück.

Und mit einem Mal frage ich mich, was sie da eigentlich sieht. Ich habe seit längerem nicht mehr bewusst in den Spiegel gesehen.

Ob meine Haare immer noch diesen verwaschenen Kupferton haben? Sind meine Lippen wieder aufgebissen? Ist wiedereinmal die wenige Wimperntusche, die ich aus irgendeinem Grund immer noch jeden Tag auftrage, verlaufen? Wie sehe ich aus, mit meiner durchschnittlichen Größe, meiner durchschnittlichen Figur, den etwas zu großen dunklen Sachen und den schweren Stiefeln? Heruntergekommen? Jung? Verloren? Oder einfach ganz normal, durchschnittlich? Gefalle ich ihr?

Doch all die Fragen werden mir mit einer einzigen hochgezogenen Augenbraue und einer leicht ironisch klingenden Stimme beantwortet:

„Willst du was bestimmtes?“

Ich schüttel leicht den Kopf, zu mehr bin ich nicht fähig.

Sie zuckt mit den Schultern und meint dann mit einem drohenden Unterton:

„Nun, dann macht es dir doch sicher nichts aus, mich einfach in Ruhe zu lassen.“

Ich kenne diese Worte. Ich habe sie oft genug aus meinem eigenen Mund vernommen. Aber als das Mädchen vor mir sie mit ihrer melodischen, dunklen Stimme ausspricht, da will ich sie auf einmal nicht mehr verstehen. Nein, viel mehr will ich sie an den Schultern packen und schütteln, bis sie mich wirklich ansieht, bis sie endlich mit dieser Abweisung aufhört, bis sie mich endlich an sich ran lässt...

Ich blinzelte.

Ein kleiner Teil meines Bewusstseins zischt mir zu, was ich da denn bitte für abwegige Gedankengänge habe.

Ein anderer Teil übernimmt das Handeln und packt das Mädchen vor mir tatsächlich an den Schulter.
Der dritte Teil lacht wie immer nur leise und bösartig.

Doch sie alle verstummen, als die Sirene wieder einmal ihr etwas verunglücktes Singen von sich gibt.

An ihren verschleierten Augen erkenne ich, dass nicht ich mit meiner plötzlichen Berührung der Auslöser für diesen erneuten Schrei war.

Also schüttel ich sie wirklich, um sie aus diesem Anfall – oder was auch immer das hier ist – zu befreien.

Sie verstummt tatsächlich, nur um gleich wieder loszuschreien. Dieses Mal aber wirklich, und leider auch direkt an mich gerichtet.

„Sag mal, kannst du das mal sein lassen? Ich brauch dein gefaktes Interesse nicht, deine falsche Anteilnahme, du sollt mich einfach in Ruhe lassen, verstehst du das nicht?!“

Und in diesem Moment brennen mir wohl mehrere Sicherungen durch, denn ich hole aus und schlage ihr mit der flachen Hand mitten auf ihre schöne, gebräunte Wange. Ihre Augen weiten sich vor Schock, meine Hand bleibt als roter Abdruck kurzzeitig in ihrem Gesicht zurück, sie fängt an zu zittern.

Ich übrigens auch, weil ich mir einfach nicht erklären kann, was ich da gerade getan habe.

Und als mein Gehirn dann tatsächlich wieder mit dem restlichen Körper verbunden ist, wird mir klar, dass ich sie gerade tatsächlich geschlagen habe, dass ich die Privatsphäre dieser jungen Frau einfach so durchbrochen habe, wo ich meine eigene doch so über alles schätze, und dass es doch gar nicht meine Art ist, sich so für andere zu interessieren.
Verdammt, ich habe sie geschlagen.

Und mit einem letzten fassungslosen Blick auf diese seltsamen, aufgerissenen Augen drehe ich mich um und fange an zu rennen.