Samstag, 3. April 2010

A Life All Mine

Ich glaube, ich habe heute begriffen, warum ich mich gerne so gehen lasse. 

Das ist gar nicht so einfach, wie man denkt. Ich kann recht pflichtbewusst sein, das heißt ich passe zum Beispiel in der Schulzeit auf, dass ich genug esse und viel schlafe. Ich lerne für Tests. Ich versuche, hin und wieder am Familienleben teil zu haben und die zickende Teenage-Tochter darzustellen, deren Rolle ich mir irgendwie angewöhnt habe. Weil es normal so ist. Weil ich sagen kann, dass es normal ist.

Aber sobald Ferien sind, sobald ich allein bin, läuft alles anders. Das Übliche eben. Lange Nächte am PC sind Socialising genug, wenn man mich fragt. Zu viel Schlaf. Zu wenig Luft. Zu viel Nikotin. Zu wenig Licht. Zu wenig Nahrung, wenn überhaupt. Und hin und wieder ein Flecken rot. Ich mag die Farbe sehr gerne, habe ich das schon erwähnt? Rot und schwarz passen sehr schön zusammen, auch abseits des ganzen Gothic-Klischees.

Aber ich will mich ja nicht zerstören. Ich will mich ja eigentlich nicht schlecht fühlen, jedenfalls nicht permanent. Warum also dieses Verhalten? Wem will ich damit etwas beweisen, wenn ich doch dann letztendlich allein in die Nacht hinein lebe?

Die Antwort ist einfacher als gedacht. Natürlich will ich mir selbst etwas beweisen, so ist das ja immer. Klischees sind nicht umsonst Klischees. Aber heute habe ich zum ersten Mal begriffen, was ich mir eigentlich damit deutlich machen will.

"A life all mine to lose."

Besser kann man es kaum ausdrücken, finde ich. Unser Leben hat oft genug den Anschein, nicht uns zu gehören. Andere Menschen verletzen uns, allgemeine äußere Umstände führen zur persönlichen Katastrophe, wir opfern uns für andere Menschen oder es ist eben einfach Schicksal. Wir haben damit kaum etwas zu tun, außer vielleicht zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Andere entscheiden über unser Leben, das denken wir oft. Aber das stimmt nicht. Ich muss es mir auch immer wieder bewusst machen und lebe noch nicht danach, aber was bleibt ist doch mein eigenes Leben. Meins. Und erst wenn ich mein Leben freiwillig wegschmeiße, wenn ich mich scheinbar selbst verliere, erst dann wird mir klar, dass es eben doch mein Leben ist. Das ich entscheiden kann. Ich kann mein Leben selbst beenden, wenn ich das möchte. Ich kann mein Leben verschwenden, wenn ich das will. Ich kann auch neu anfangen und alles umgestalten. Es liegt alles in meiner Kraft. Leider will ich nichts davon, oder alles zugleich, ich weiß es nicht.

Aber es gehört mir. Ich kann freiwillig das tun, was ansonsten erzwungen wird. Das ist die ultimative Freiheit, die größte Selbstbestimmung, die ich mir vorstellen kann.

Und was hat mir die Lösung gebracht? Wieder einmal Anneke. 

~ Razor sharp I cut
The bull from my life
Too blunt your knife
To slay this dreamer

We might be dogs astray
No running line will hold us
So rather kick and kill me
I'll be butchered all the same

No words are spoken
But the world is broken

'Cause I want something
Something all wrong done
A life instead of mere living
Folding crumbling withering oh hell
What difference when working the way

The crown of my work
Is what I shall gain
At the end of my days

Daylight awake to a puppet world
No strings attach to this body of mine
Folding crumbling withering oh well
The punished pushed along the line
All my actions, all my moves
A life all mine to lose

The crown of my work
A life all mine to lose
A life all mine
Is what I choose
At the end of my days  ~

1 Kommentar:

  1. Du hast etwas sehr Wichtiges erkannt.
    Etwas gleichsam aus sehr Trauriges...
    die ultimative Freiheit besteht in der
    Möglichkeit, die Freiheit aufzugeben.

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